
Für mich ist er einer der großen Pioniere und unermüdlichen Experimentatoren der Fotografie: Gottfried Jäger (*1937). Eine umfassende Würdigung seines Schaffens, wie gerade im Kulturzentrum Turm zur Katz zu Konstanz, zeigt seine herausragende Position in der Geschichte der europäischen Fotografie. Ein Kritiker nannte ihn gar einen „Erkunder des fotogafischen Möglichkeitsraumes“. Die Schau unter dem Titel „Poesie des Fotografischen“ zeigt Jäger als einen der zentralen Akteure der konkreten und generativen Fotografie und öffnet mit seinem Archiv eine wahre Wunderkammer: Neben umfangreichem dokumentarischem Material versammelt es die gesamte Bandbreite seines Schaffens – von künstlerischen und angewandten Arbeiten bis hin zu analogen Fotografien, Fotogrammen und digital generierten Bildern.
Seine seriell und experimentell angelegten Arbeiten stellen Apparat und Technik in den Mittelpunkt – als Voraussetzung, Herausforderung und Möglichkeit zugleich. Entstanden ist die Ausstellung im Rahmen eines Projektseminars des Studiengangs Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften der Universität Konstanz.
Ein Wort zur Biografie des Fotografen: Gottfried Jäger, geboren 1937 in Burg, studierte nach seiner Meisterprüfung in Fotografie an der Staatlichen Höheren Fachschule für Photographie Köln. Von 1960–1972 war er Fachlehrer Photographie an der Werkkunstschule Bielefeld, von 1972–2002 an der Fachhochschule Bielefeld Professor für Fotografie mit den Lehrgebieten künstlerische Grundlagen der Photographie, Photographik und Generative Bildsysteme.
Besonders bemerkenswert ist, dass Prof. Jäger noch 2011 zum Dr. phil. an der Universität Bielefeld, Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft promovierte. Seine Doktorarbeit beschäftigte sich mit dem Werk des Mikrophotographen Carl Strüwe, dessen Nachlass Jäger auch betreut.
Die Ausstellung ist noch bis zum 23. August 2026, Turm zur Katz, Konstanz (Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstraße 43, 78462 Konstanz) zu sehen.