München: Lisette Model

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Lisette Model (1901–1983) ist wirklich eine sehr interessante Fotografin, deren Bilder das urbane Leben mit schonungsloser Direktheit – von der High Society bis zu den Rändern der Gesellschaft – zeigen. Das kann bei der fotografischen Darstellung ihrer Portraits bis hin zur bitteren Karikatur gehen.

Ab 18. März 2026 präsentiert das Kunstfoyer München eine konzentrierte Auswahl zentraler Werkgruppen, die Models kompromisslosen Blick und ihren nachhaltigen Einfluss auf die Fotografie erfahrbar machen. Ihre unmittelbare, humorvolle, oft konfrontative, manchmal aber auch empathische Form der Wiedergabe revolutioniert die klassische Dokumentarfotografie. In ihren Aufnahmen von Straßenszenen und Porträts verbinden sich sozialer Realismus und emotionaler Ausdruck: „Schieß aus dem Bauch heraus!“ lautet ihr berühmtes Credo. Die Ausstellung vereint Models wichtigste Werkgruppen aus ihrem beinahe dreißigjährigen Schaffen, zwischen 1932 und 1959, darunter auch bisher noch nie ausgestellte Arbeiten.

Bemerkenswert ist auch ihre Biografie: Lisette Model wird 1901 als Elise Amelie Felicie Stern in eine großbürgerliche Wiener Familie mit jüdischen Wurzeln hineingeboren. Sie verfolgt zunächst eine musikalische Ausbildung, u.a. bei Arnold Schönberg. Lisette Model übersiedelte 1926 mit Mutter und Schwester nach Frankreich, wo sie zur Fotografie findet. 1934 entsteht ihre erste umfangreiche Porträtserie reicher Müßiggänger in Nizza, die im aufgeheizten politischen Klima der Zeit als entlarvende Gesellschaftskritik Furore macht. Kurz vor dem 2. Weltkrieg emigrierte sie 1938 nach New York, arbeitete dort als freiberufliche Fotografin für Magazine wie Harper’s Bazaar. In New York trat sie in die linksgerichtete Photo League ein, eine Vereinigung, die sich für sozialkritische Fotografie einsetzte. Sie fotografiert die Gegensätze urbanen Lebens: In ihren Aufnahmen zeigt Model die arme Bevölkerung im Stadtteil der Lower East Side, in bissigen Porträts die Upper Class bei ihren Vergnügungen und in dynamischen Serien das pulsierende Nachtleben der Metropole. In den späten 1940er- und 1950er-Jahren entstehen erstmals Werkgruppen außerhalb New Yorks. Aufgrund politischer Repressalien während der McCarthy-Ära stagniert Models künstlerisches Schaffen, sie wurde Anfang der 50er-Jahre unter Beobachtung gestellt und verhört. In ihren öffentlichen Äußerungen und Interviews verschleiert Lisette Model fortan Daten und Fakten ihrer Biografie, vertuscht und marginalisiert Hinweise auf politisch brisante Arbeiten – etwa die Veröffentlichung ihrer Aufnahmen aus Nizza in der kommunistischen Publikation Regards Mitte der 1930er-Jahre. Sie starb 1983 in einem New Yorker Krankenhaus.

Die Ausstellung im Kunstfoyer (Thierschplatz 6, 80538 München) läuft vom 18. März bis 5. Juli 2026. Der Eintritt ist frei.

Bild: Lisette Model, Sängerin Metropole Cafe, New York,1946 © Estate of Lisette Model, courtesy of baudoin lebon and Avi Keitelman

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