
Die Neue Pinakothek zu München verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Italien. Meist sind Landschaften und architektonische Monumente von Venedig bis Neapel die Motive. Doch bereits sehr früh spielt auch der Mensch eine wichtige Rolle – als Individuum oder als Vertreter einer bestimmten sozialen Schicht.
Die Porträtfotografie trug ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend zur Durchsetzung des neuen Mediums bei. Fotografische Bildnisse wurden meist im Visitenkarten-Format angefertigt und waren so für breite Käuferschichten erschwinglich. In kleinen Alben wurden nicht nur Fotografien der eigenen Familie und des Freundeskreises gesammelt, sondern auch von berühmten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte.
Doch spannender als Aufnahmen der wirken heute die Genre-Aufnahmen. Auch wenn sie meist inszeniert und im Atelier des Fotografen aufgenommen wurden geben sich doch Einblicke ins soziale Leben, die gesellschaftlichen Realitäten der Zeit: Sie zeigen Angehörige verschiedener gesellschaftlicher Gruppen als Typen. Kolorierte Fotografien stellen Modelle in den Trachten verschiedener Regionen vor. Dahinter stand auch der Gedanke, dass diese Bilder von Malern als Vorlagen für Genrebilder verwendet werden.
Die Ausstellung zeigt rund 50 dieser kleinformatigen Porträt- und Genreaufnahmen. Hinzu kommen rund ein Dutzend größerformatige Fotografien mit Genrestudien aus der römischen Campagna, Neapel und Sizilien von Fotografien wie Filippo Belli, Giorgio Sommer und Wilhelm von Gloeden. Die Fotografien stammen aus der Sammlung Dietmar Siegert.
Zu sehen sind sie vom 13.10.2026 — 31.01.2027 in der Alten Pinakothek im Erdgeschoss | Ostflügel in der Barer Straße 27, 80333 München.
Bild oben: Filippo Lais, Brustbild einer jungen Frau mit weißem Kopftuch, um 1860/70
Bild unten: Giorgio Sommer (1834 – 1914), Messerschleifer, um 1865/70
