
Der wirtschaftliche Niedergang infolge des EU-Austritts Großbritanniens hat speziell Nordirland hart getroffen – vor allem die jungen Menschen in den Arbeitervierteln Belfasts. In den Fotografien von Toby Binder begegnen wir ihrem Alltag ohne Beschönigung: einem Leben zwischen Arbeitslosigkeit, Drogenabhängigkeit, Alkoholmissbrauch, Gewalt und dem Fehlen von Perspektiven. Dabei spielt es kaum eine Rolle, auf welcher Seite der vielen Friedensmauern sie aufgewachsen sind, die katholische und protestantische Viertel Belfasts voneinander trennen. Die sozialen Wunden verlaufen tiefer als die Mauern, die ihre Viertel trennen.
Das Dokumentarprojekt »Wee Muckers – Jugend in Belfast« von Toby Binder, führt in die Straßen von Belfast, wo junge Menschen im langen Schatten einer von Religion, Politik und Erinnerung gezeichneten Stadt aufwachsen. Die klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen greifen die Ästhetik der traditionellen Reportagefotografie auf und lassen die Narben der Vergangenheit zwischen den Bildern nachhallen. Zugleich erzählen sie von einer Generation, die sich den alten Gräben entzieht: von Freundschaften, Träumen und einem Alltag, der oft mehr Verbindendes als Trennendes offenbart. So entsteht ein sensibles Porträt einer Jugend, die ihren eigenen Weg zwischen historischem Erbe, den neuen Unsicherheiten des Brexits und neuen gesellschaftlichen Spannungen sucht.
Die Austellung ist vom 16. Juli bis 16. August 2026 (Do.-So. von 12 bis 18 Uhr) in der Fotogalerie GAF in der Eisfabrik, Seilerstraße 15d, 30171 Hannover zu sehen.
