{"id":7466,"date":"2022-07-25T10:19:00","date_gmt":"2022-07-25T10:19:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2026-05-18T19:20:29","modified_gmt":"2026-05-18T19:20:29","slug":"interview-image-market-2022-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7466","title":{"rendered":"Interview image market 2022, Teil II"},"content":{"rendered":"<p><strong> <\/strong><br \/>\n<strong><\/strong>\u201eDie Bilder sind Beifang. Das Gold sind die Daten\u201c<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>[url=&#8217;https:\/\/www.pictorial-online.com\/index.php?entry\/7464-interview-zur-bildmarkterhebung-image-market-2022-teil-i\/&#8216;]Im ersten Teil[\/url] unseres Gespr\u00e4ches mit Prof. Lars Bauernschmitt sprachen wir weitgehend \u00fcber die Gegenwart des Bildmarktes, wie er sich in der j\u00fcngsten Erhebung &#8222;<\/strong><strong>image market 2022&#8243; darstellt. Nun aber wollen wir die Deskription der Gegenwart verlassen und uns in einem zweiten Gespr\u00e4chsteil der Zukunft zuwenden. Etwa der Beschreibung g\u00e4nzlich neuer Erl\u00f6smodelle f\u00fcr die Branche.<\/strong><br \/>\n<em><\/em><br \/>\n<em>Mit Lars Bauernschmitt sprach Stefan Hartmann<\/em><br \/>\n[list][*]<strong>Ich wei\u00df ja aus unseren fr\u00fcheren Gespr\u00e4chen, dass Sie sich in anderem Kontext mit dem Themenkomplex &#8222;neue Erl\u00f6smodelle&#8220; besch\u00e4ftigen. Also weg von den traditionellen Lizenzmodellen. K\u00f6nnen Sie \u2013 ohne mich jetzt zu sehr zu \u00fcberfordern \u2013 einige Worte zu diesen Ertragsmodellen geben? In welche Richtungen l\u00e4uft das?<\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Es gibt mittlerweile ganz unterschiedliche Tendenzen. Der Handel mit Daten wird ebenso zum Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr Bildagenturen wie der Versuch, aus der Agentur eine kleine elit\u00e4re Vertretung von Bild-Autor:innen zu machen. Es gibt Agenturen, die scheinbar von Affiliate-Programmen leben und andere, die PR-Fotos verbreiten, die Unternehmen in Umlauf bringen, damit die auf den Bildern abgebildeten Waren verkauft werden.<\/p>\n<p>Um es f\u00fcr Sie einmal stichwortartig zusammenzufassen, sehe ich im Moment folgende Erl\u00f6smodelle bzw. Erl\u00f6sfelder: Affiliate Marketing, Bildrecherche und Rechtekl\u00e4rung, Datenhandel, Endverbraucherprodukte, Foto-Workshops oder Foto-Schulen, kleine elit\u00e4re Gruppe, Sponsored Content. Einiges davon wurde schon seit Jahren immer wieder nebenbei mitgemacht.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Herr Prof. Bauernschmitt, als Hamburger greifen Sie ja gerne auf maritime Metaphern zur\u00fcck. Darf ich Ihnen auch mal hanseatisch kommen? Jetzt mal Butter bei die Fische! Was sind denn die wichtigsten Ans\u00e4tze aus dieser langen Liste?<\/strong><br \/>\n[\/list]<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13592.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/>Lars Bauernschmitt: Ich versuche, die beiden aus meiner Sicht neuen und wichtigsten noch einmal einfach zu beschreiben: Zun\u00e4chst die Affiliate Idee. Es gibt sogenannte Agenturen, die locken mit kostenlosen Bildern, die dann h\u00e4ufig von recht bescheidener Qualit\u00e4t sind, Kund:innen an, denen sie dann neben den kostenlosen Bildern auch honorarpflichtige Bilder anderer Agenturen, in der Regel der drei gro\u00dfen Adobe, Getty, Shutterstock, zeigen. W\u00e4hlen Kund:innen dann ein solches Bild aus, wird die Agentur mit den kostenlosen Angeboten von der Agentur honoriert, deren Bild am Ende lizenziert wurde. Wir haben es da mit einer Art Trichter zu tun, wo ein scheinbar breites Angebot zu immer weniger Agenturen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der zweite wichtige Trend ist der Datenhandel. Wir beobachten seit einiger Zeit, dass das Bild als Darstellung von etwas, das sich im Moment der Aufnahme vor der Kamera befand, an Bedeutung verliert, w\u00e4hrend die Bild- und die Transaktionsdaten immer wichtiger werden. Es gibt ja mittlerweile Angebote, da werden Bilder verschenkt \u2013 wenn die Nutzer:innen der, man kann sie kaum noch Bildagentur nennen, also jedenfalls dem Bilderlieferanten, das Recht zugestehen, die Daten der Transaktionen um das ver\u00f6ffentlichte Bild auszuwerten. Im Grunde genommen entwickelt sich auf dem Bildermarkt so etwas \u00c4hnliches wie in anderen Bereichen des Lebens. Ich bekomme Rabatte \u2013 sprich Bilder, wenn ich bestimmte Verhaltensweisen f\u00fcr mein Gegen\u00fcber sichtbar mache.<\/p>\n<p>Das sind die beiden neueren Ideen. Die anderen Modelle stellen aus meiner Sicht eher eine Fokussierung des bisherigen Gesch\u00e4fts dar und k\u00f6nnen aber durchaus gute Reaktionen auf die st\u00e4ndig sinkenden Nutzungshonorare sein.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Haben diese Modelle noch etwas mit \u201eFotografie&#8220; zu tun? Oder wird das spezifische Medium Fotografie darin k\u00fcnftig nur ein kleiner Teil eines gro\u00dfen Datenstromes sein, der sich durch Hochgeschwindigkeits-Leitungen zw\u00e4ngt, ohne eigentlichen Bezug zum visuellen Medium, wie wir es kennen? <\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Mit Fotografie haben viele noch etwas zu tun. Ob das Foto selbst aber noch den eigentlichen Wert darstellt, ist eine andere Frage. Vielfach werden in Zukunft sicher die mit dem Bild verbundenen und bei der Ver\u00f6ffentlichung entstehenden Daten zur eigentlichen Ware. Die Daten sind das Gold, die Bilder im Grunde als eine Art Beifang austauschbar.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>W\u00fcrde das nicht das Aus f\u00fcr Bildagenturen, so wie wir sie heute noch kennen, bedeuten? Was bliebe danach von diesen Unternehmen noch \u00fcbrig, welche genuinen Aufgaben verblieben ihnen in dieser Medienwelt noch? <\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Wir erleben ja seit Jahren ganz unterschiedliche Entwicklungen, die gleichzeitig ablaufen. Agenturen waren schon immer kreativ. Ob es aber in zehn Jahren noch die Art Bildagenturen geben wird, die wie seit der vorletzten Jahrhundertwende Nutzungsrechte an Fotos vertrieben haben, wage ich zu bezweifeln.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Erg\u00e4nzend gefragt: Wie sieht es auf der Bildk\u00e4uferseite aus? W\u00fcrde der Beruf des Bildredakteurs gleichfalls gewandelt?<\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Menschen, die Bilder recherchieren, wird es noch so lange geben, wie die KI das nicht \u00fcbernehmen kann. Ich m\u00f6chte aber nicht ausschlie\u00dfen, dass irgendwann Rechner Bilder zu Beitr\u00e4gen suchen, einfach weil die KI den Text analysiert hat und dem Text Bilder beistellt, die \u00e4hnliche Botschaften transportieren. Brutal gesagt, sehen wir doch in vielen Zeitungen und Zeitschriften vor allem bei Beitr\u00e4gen zu Servicethemen, Bilder, die nur als Logo, das hei\u00dft verdichtete symbolhafte Darstellung des Inhalts funktionieren. Das Foto von einem St\u00fcck Papier, auf dem das Wort \u201eVertrag\u201c steht, soll darauf hinweisen, dass der Artikel sich mit Fragen um den Abschluss eines Arbeitsvertrages befasst. Das Foto vom Thermostat der Heizung soll einen Beitrag zur Abrechnung der Nebenkosten illustrieren. Die Liste l\u00e4sst sich beliebig fortsetzen, wir alle kennen diese Bilder. Was ich sagen will: Solche Bildauswahlen k\u00f6nnen auch Rechner vornehmen. Da brauche ich keine Bild-Fachleute f\u00fcr \u2013 die m\u00fcssen in Zukunft die Software anlernen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Bisher haben wir ja weitgehend im Konjunktiv geredet! Gibt es konkret in der Gegenwart denn Medienanbieter, die auf diese neuen, oben ausgef\u00fchrten Erl\u00f6smodelle setzen? Und vor allem: Gibt es jemanden, der damit Gewinne macht? <\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Ob jemand am Handel mit Daten Geld verdient, versuche ich gerade herauszubekommen. Sie werden es als erster erfahren. (lacht)<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Business ist ja immer eine zweiseitige Angelegenheit: Jemand hat ein Angebot und jemand hat Bedarf an dem Angebot. Einseitig l\u00e4uft da nichts. Was muss eigentlich an \u00f6konomischen Randbedingungen und Faktoren zusammenkommen, damit sich neue Ertragsformen quasi fl\u00e4chendeckend in der Breite des Marktes etablieren k\u00f6nnen?<\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Wir haben in den letzten drei\u00dfig Jahren so viele Ver\u00e4nderungen erlebt, die vor vierzig Jahren undenkbar waren. Es ist so viel in Bewegung, es wirken so viele Faktoren gleichzeitig auf den Bildermarkt. Deshalb m\u00f6chte ich dar\u00fcber nicht spekulieren.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>G<\/strong><strong>ehen wir zum Ende unseres Gespr\u00e4chs mal weg von der Frage, wie man mit Bildern zuk\u00fcnftig Geld verdient, zur Frage der Produktion von Bildern. Auf dem Cepic-Bildagenturkongress auf Mallorca in diesem Jahr wurde ausgiebig die Frage der CGI &#8211; Computer Generated Imagery besprochen.<\/strong><strong> Vor allem amerikanisch-optimistische Teilnehmer sehen darin gro\u00dfe Chancen f\u00fcr den Markt. In Deutschland ist Panther Media auf dem Bereich synthetische Portraitbilder als Avangardist aktiv. Wie bewerten Sie \u2013 auch als Hochschullehrer f\u00fcr Fotografie angesprochen \u2013 diese Entwicklung, Bilder k\u00fcnftig mit Hilfe von KI am Rechner produzieren zu k\u00f6nnen? Kann man sich Fotografie ohne Fotografen vorstellen?<\/strong><br \/>\n[\/list]Lars Bauernschmitt: Zun\u00e4chst gilt es festzustellen, dass auch mittels KI erzeugte Bilder eine Vorlage brauchen, und das sind f\u00fcr Fotos eben Fotos. Fotos als Grundlage f\u00fcr mittels KI erzeugte Bilder zu verwenden, stellt also eine Nutzung dar, die mit den Urheber:innen vereinbart sein muss \u2013 und also auch honoriert werden muss. Zur\u00fcck zu Ihrer Frage. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft noch viel mehr computergenerierte Bilder zu sehen bekommen. Warum soll die Entwicklung auf die Autowerbung beschr\u00e4nkt bleiben, wo sie schon seit Jahren praktiziert wird. Ein Problem wird es nat\u00fcrlich, wenn solche am Rechner erzeugten Bilder in journalistischen Publikationen in dokumentierender Absicht ver\u00f6ffentlicht werden oder kein deutlicher Hinweis auf den Hintergrund der Entstehung erfolgt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte aber bezweifeln, dass diese Technik noch von den Unternehmen eingesetzt wird, die wir im Moment noch Bildagenturen nennen. Diese Prozesse werden von Technik-Unternehmen entwickelt, die f\u00fcr kleines Geld an die n\u00f6tigen Vorlagen, also echte Fotos, kommen.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass in den n\u00e4chsten Jahren sehr viele klassische Bildagenturen verschwinden werden \u2013 einfach weil sie aufgrund des Alters der Inhaber:innen geschlossen werden. Gleichzeitig ver\u00e4ndert sich die Struktur der Anbieter:innen von Bildmaterial, weil immer mehr Firmen Nutzungsrechte an Bildmaterial vertreiben, deren Gesch\u00e4ftsmodell nicht das einer Bildagentur ist.<\/p>\n<p>Bilder werden in Zukunft von Unternehmen vertrieben, die ganz andere Ziele haben und die Bilder nur als Werkzeug mit verwenden oder als ein Produkt von vielen mit anbieten \u2013 zum Teil einfach als Add-on.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Herr Bauernschmitt, zum Gl\u00fcck bin ich heute multitask-f\u00e4hig! Denn ich muss erstmal heftig schlucken bei dem, was Sie da &#8222;serviert&#8220; haben &#8211; und ihnen in gleichem Atemzug f\u00fcr das Gespr\u00e4ch danken. <\/strong><br \/>\n[\/list]<\/p>\n<p>\nBild: Angelina Vernetti<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong> <\/strong><br \/>\n<strong><\/strong>\u201eDie Bilder sind Beifang. Das Gold sind die Daten\u201c<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>[url=&#8217;https:\/\/www.pictorial-online.com\/index.php?entry\/7464-interview-zur-bildmarkterhebung-image-market-2022-teil-i\/&#8216;]Im ersten Teil[\/url] unseres Gespr\u00e4ches mit Prof. Lars Bauernschmitt sprachen wir weitgehend \u00fcber die Gegenwart des Bildmarktes, wie er sich in der j\u00fcngsten Erhebung &#8222;<\/strong><strong>image market 2022&#8243; darstellt. Nun aber wollen wir die Deskription der Gegenwart verlassen und uns in einem zweiten Gespr\u00e4chsteil der Zukunft zuwenden. Etwa der Beschreibung g\u00e4nzlich neuer<\/strong> &#8230; <a title=\"Interview image market 2022, Teil II\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7466\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Interview image market 2022, Teil II\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8941,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,4],"tags":[],"class_list":["post-7466","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bildagentur","category-events"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7466"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7466\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10284,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7466\/revisions\/10284"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8941"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}