{"id":7409,"date":"2022-04-25T04:54:00","date_gmt":"2022-04-25T04:54:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2026-05-18T19:20:30","modified_gmt":"2026-05-18T19:20:30","slug":"interview-fotojournalismus-im-umbruch-hybrid-multimedial-prek-r","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7409","title":{"rendered":"Interview: &#8222;Fotojournalismus im Umbruch. Hybrid, multimedial, prek\u00e4r&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Den Wandel des fotojournalistischen Berufsfeldes und seine Folgen f\u00fcr die journalistisch Bildkommunikation beschreiben, analysieren und diskutieren 14 Autoren in dem von Elke Grittmann und Felix Koltermann herausgegebenen Band \u201cFotojournalismus im Umbruch\u201d. Um was geht es dabei?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit Dr. Felix Koltermann sprach Dr. Stefan Hartmann<\/strong><\/p>\n<p>[list][*]<strong>Herr Koltermann, Sie haben Ihren Sammelband &#8222;Fotojournalismus im Umbruch&#8220; mit dem Untertitel versehen &#8222;Hybrid, multimedial, prek\u00e4r&#8220;. Bezieht sich diese Reihung von Buzz-W\u00f6rtern nun auf Fotojournalismus oder markiert das die Richtung, in die der Umbruch f\u00fchrt?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann:<\/strong> Ich w\u00fcrde sagen, es ist eine Mischung aus beidem. Wir sind der Meinung das Hybridisierung, Multimedialisierung und Prekarisierung drei Prozesse sind, die f\u00fcr den zeitgen\u00f6ssischen digitalen Fotojournalismus kennzeichnend sind und dar\u00fcber hinaus miteinander in Beziehung stehen. Wobei die Prozesse noch nicht abgeschlossen sind, es also durchaus die M\u00f6glichkeit gibt, dass nochmal andere Faktoren wichtig werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Hybridisierung die Vermischung und Verschmelzung im medialen Kontext beschreibt, wof\u00fcr die Multimedialisierung von Formaten und Beitr\u00e4gen ein Beispiel ist, zielt der Begriff der Prekarisierung auf die Ausgestaltung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse im 21. Jahrhundert ab. So kann heute z. B. kaum noch ein Fotojournalist noch ausschlie\u00dflich vom Journalismus seinen\/ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dies f\u00fchrt zu hybriden Arbeitsrealit\u00e4ten als Teil der \u00dcberlebensstrategie, in dem Fotojournalisten heute Journalismus, morgen PR und \u00fcbermorgen NGO-Werbung machen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Im Buch wird auch die schon etwas \u00e4ltere These ihrer Ko-Herausgeberin Elke Grittmann &#8222;Fotojournalismus ist Journalismus&#8220; zitiert. Aber: L\u00f6st sich nicht auch der Journalismus auf? Ein hochgradig unpr\u00e4ziser, vager und vielmehr emotional aufgeladener Begriff, dessen &#8222;Kern&#8220; doch l\u00e4ngst ans Internet mit seinen Influencern verloren ist.<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13526.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/>Felix Koltermann:<\/strong> Nein, dem w\u00fcrde ich widersprechen. Der Journalismus l\u00f6st sich definitiv nicht auf. Und Journalismus ist meiner Meinung nach auch kein vager und emotional aufgeladener Begriff. Zumindest aus wissenschaftlicher Perspektive nicht. Das Ziel, das Elke Grittmann mit der vor mehr als 15 Jahren aufgestellten These verfolgte, war den Fotojournalismus theoretisch wie praktisch als Teil des Journalismus zur verordnen. Dahinter stand die Beobachtung, dass in der Journalismusforschung alles bildbezogene bis dato stiefm\u00fctterlich behandelt wurde. Wenn \u00fcberhaupt, dann wurde von \u201eFotografen\u201c, nicht von \u201eFotojournalisten\u201c gesprochen. Dabei hat der Fotojournalismus auf vielen Ebenen \u00e4hnliche Strukturen wie der Journalismus und folgt den gleichen ethischen Leitlinien.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist insbesondere im Fotojournalismus eine Aufl\u00f6sung klassischer Rollen zu beobachten. Dies hat damit zu tun, dass die Anzahl Festangestellter extrem stark zur\u00fcckgeht. Und von denjenigen, die als Freie arbeiten, k\u00f6nnen die wenigsten ihren Lebensunterhalt ausschlie\u00dflich vom Journalismus bestreiten. In diesem Zusammenhang sprechen wir von \u201eKern\u201c und \u201ePeripherie\u201c. Der Kern w\u00e4re dann etwa die tagesaktuelle Nachrichtenfotografie festangestellter Fotojournalisten f\u00fcr die Bilderdienste der Nachrichtenagenturen, die Peripherie hingegen fotografische Projekte freier Fotojournalisten, die nur noch zum Teil fotojournalistischen Prinzipien folgen und in andere Bereiche wie die Kunst hineinreichen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Aber kommen wir zu Ihrem Buch konkret. Wie kam es zu dem Buch?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann:<\/strong> Im Jahr 2008 hat meine Mit-Herausgeberin Elke Grittmann mit zwei Kolleginnen den Sammelband \u201cFotojournalismus Heute. Global, lokal, digital\u201d ver\u00f6ffentlicht. Mich hat dieser Sammelband nachhaltig beeindruckt und bis heute greife ich gerne darauf zur\u00fcck, weil viele der Texte weiterhin gro\u00dfe Relevanz haben. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Themenfeldern im Bereich Fotojournalismus bei denen Forschungsl\u00fccken bestehen. So entstand die Idee, einen neuen Band mit \u00e4hnlichem Konzept herauszugeben, der mit neuen Themen an die Publikation von 2008 ankn\u00fcpft. Damit haben wir dann 2019 begonnen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Das Buch ist ein strammer Sammelband, 450 Seiten stark, mit 19 Texten von 14 Autoren. Dazu braucht es eine Strategie, was ist das Konzept dahinter?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann:<\/strong> Von Anfang an wollten wir, wie im Vorg\u00e4ngerband, eine Mischung aus wissenschaftlichen Aufs\u00e4tzen und Interviews. Der Vorteil von Interviews ist, dass man etwa in Bereichen, wo es schwierig ist, Autoren mit Expertise zu finden, \u00fcber das Gespr\u00e4ch mit Praktiker gleichwohl einen umfangreichen Einblick in ein Themenfeld bekommen kann.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Das ist die Form, was aber gehen Sie inhaltlich, thematisch an?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann: <\/strong>Inhaltlich haben wir nach Themen geschaut, die wir f\u00fcr relevant halten und die bisher in der Literatur noch nicht so stark beleuchtet wurden. So gibt es etwa einen Beitrag \u00fcber Bildforensik von Winfrid Gerling oder ein Interview zur Fotojournalismusausbildung in Deutschland. Dar\u00fcber hinaus greifen wir Themen aus dem Vorg\u00e4ngerband wie etwa den Bildermarkt auf und f\u00fcgen dem aktuelle Perspektiven hinzu, etwa mit einer Untersuchung von Lars Bauernschmitt. Die einzelnen Beitr\u00e4ge haben wir den vier \u00fcbergeordneten Themenbl\u00f6cken \u201cDigitaler Bildermarkt und Arbeitsfelder im Wandel\u201d, \u201cInstitutionelle Felder und der Fotojournalismus als Profession\u201d, \u201cRedaktionelle Praktiken und bildredaktionelle Arbeit\u201d sowie \u201cFotojournalistische Darstellungsformen und Bild\u00e4sthetiken im Wandel\u201d zugeordnet.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Picken wir ein Thema heraus, einen Text, den Sie wohl am Besten kennen: Sie selbst sind ja Autor oder Ko-Autor einer Reihe verschiedener Beitr\u00e4ge. Darunter ist ein Aufsatz \u00fcber die fotojournalistische Gewerkschaftsforschung. Warum ist das im Kontext &#8222;Umbruch&#8220; von Interesse und worum geht es in dem Beitrag?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann:<\/strong> Im Kontext des von uns definierten Umbruchs ist dies deswegen von Interesse, weil die Gewerkschaften und Verb\u00e4nde nat\u00fcrlich auch von diesem betroffen sind bzw. auf diesen reagieren m\u00fcssen. So geht es heute in diesem Bereich nicht mehr vorrangig um die Vertretung von Festangestellten und den Abschluss von Tarifvertr\u00e4gen, sondern um die komplexen Belange vor allem von Freien Fotojournalisten. Den Wandel sieht man z.B. ganz konkret auch daran, dass etwa Freelens sich vom Verband der Fotojournalisten zum Verband der Fotografen gewandelt hat.<\/p>\n<p>Wobei ich sagen muss, dass der Beitrag eher ein erster Aufschlag zum Thema ist, da es bisher keine wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit den Verb\u00e4nden gibt. Insofern hat der Text \u00fcberhaupt erst mal das Ziel, f\u00fcr das Thema zu sensibilisieren. Damit einher geht der Wunsch, dass sich zuk\u00fcnftig eine fotojournalistische Gewerkschaftsforschung etabliert.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Das Thema war Ihnen pers\u00f6nlich also ein besonderer Wunsch! Darf ich Wilhelm Busch zitieren? &#8222;Ein jeder Wunsch, wenn er erf\u00fcllt, kriegt augenblicklich Junge.&#8220; Was also w\u00fcnschen Sie sich noch?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann:<\/strong> Sie d\u00fcrfen nat\u00fcrlich zitieren wenn auch immer Sie m\u00f6chten (lacht). Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde mir ganz grunds\u00e4tzlich eine sehr viel st\u00e4rker Akteur- beziehungsweise institutionenbezogene Forschung zum Fotojournalismus w\u00fcnschen. Denn neben dem weitgehend unbelichteten Feld fotojournalistischer Gewerkschaften gibt es eine Forschungsl\u00fccke auch in Bezug auf andere fotografiebezogene Institutionen, wie etwa die Foto- und Bildagenturen. Denn durch den Blick auf die publizierten Bilder wird allzuoft der Blick auf die dahinterstehenden Strukturen verstellt.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Zum Abschluss mal eine richtig schwere Frage, die jeder Autor &#8211; zu Recht &#8211; hasst! F\u00fcr wen ist das Buch gedacht? Welche Zielgruppe wollen Sie mit dem Band ansprechen, beziehungsweise wem empfehlen Sie einen Kauf?<\/strong><br \/>\n[\/list]<strong>Felix Koltermann:<\/strong> Auf der einen Seite ist unsere Zielgruppe ganz klar die Wissenschaft, vor allem die Kommunikationswissenschaft und die Journalistik. Da bei vielen Arbeiten in dieser Disziplin die Visuelle Kommunikation und insbesondere die Fotografie im Journalismus noch stiefm\u00fctterlich behandelt wird, bietet der Band hier den Kollegen viele Ankn\u00fcpfungspunkte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus adressiert der Band aber auch ein breiteres Publikum und ist eigentlich f\u00fcr all diejenigen interessant, die sich beruflich sowie aus einem gr\u00f6\u00dferen privaten oder gesellschaftspolitischen Interesse heraus mit Fotojournalismus und aktuellen Fragestellungen der Visuellen Kommunikation besch\u00e4ftigen wollen. Ich glaube, man kann den Band sehr sch\u00f6n als eine Art Nachschlagewerk sehen, wo man je nach Interesse einzelne Beitr\u00e4ge rausgreift, abh\u00e4ngig von dem, was gerade relevant oder von Interesse f\u00fcr einen ist, da die Texte hervorragend unabh\u00e4ngig voneinander funktionieren.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Herr Koltermann, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<\/strong><br \/>\n[\/list]<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13529.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/><\/p>\n<p>[list][*]456 S., 32 Abb., 9 Tab.<br \/>\n[*]Broschur, 213 x 142 mm, dt.<br \/>\n[*]ISBN 978-3-86962-559-1<br \/>\n[*]35,00 EUR<br \/>\n[*]PDF 29,99 EUR<br \/>\n[\/list]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Den Wandel des fotojournalistischen Berufsfeldes und seine Folgen f\u00fcr die journalistisch Bildkommunikation beschreiben, analysieren und diskutieren 14 Autoren in dem von Elke Grittmann und Felix Koltermann herausgegebenen Band \u201cFotojournalismus im Umbruch\u201d. Um was geht es dabei?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit Dr. Felix Koltermann sprach Dr. Stefan Hartmann<\/strong><\/p>\n<p>[list][*]<strong>Herr Koltermann, Sie haben Ihren Sammelband &#8222;Fotojournalismus im Umbruch&#8220; mit dem Untertitel versehen &#8222;Hybrid, multimedial, prek\u00e4r&#8220;. Bezieht sich<\/strong> &#8230; <a title=\"Interview: &#8222;Fotojournalismus im Umbruch. Hybrid, multimedial, prek\u00e4r&#8220;\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7409\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Interview: &#8222;Fotojournalismus im Umbruch. 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