{"id":7297,"date":"2021-10-25T11:11:00","date_gmt":"2021-10-25T11:11:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2026-05-18T19:20:44","modified_gmt":"2026-05-18T19:20:44","slug":"corona-und-der-fotojournalismus-gab-es-keine-besseren-bilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7297","title":{"rendered":"Corona und der Fotojournalismus  &#8211;  Gab es keine besseren Bilder?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13415.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/><br \/>\n<strong><em>Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Fotografie und Pandemie mit Dr. Felix Koltermann, Herausgeber des Sammelbands \u201eCorona und die journalistische Bildkommunikation&#8220;.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\n<strong>Herr Dr. Koltermann, in zwei S\u00e4tzen: Worin liegt nun die Bedeutung der Coronapandemie f\u00fcr den Fotojournalismus? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Felix Koltermann:<\/strong> Auf der einen Seite sind gesellschaftliche Krisen seit jeher ein wichtiger Berichterstattungsgegenstand f\u00fcr den Fotojournalismus. Die Besonderheit der Coronapandemie bestand darin, dass die Krise nicht nur ein zu bearbeitendes Thema war, sondern die Fotojournalist*innen auch in ihrem Alltag betraf. Auf der anderen Seite hatten die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Coronapandemie einen gro\u00dfen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen im Fotojournalismus, etwa weil durch das Herunterfahren des \u00f6ffentlichen Lebens und \u00f6ffentlicher Veranstaltungen vor allem frei Fotojournalist*innen die Auftr\u00e4ge wegbrachen und insbesondere im Rahmen von Demonstrationen aus dem Milieu der Corona-Leugner*innen berichtenden Fotojournalist*innen ihrer Arbeit unter erschwerten Bedingungen nachgehen mussten.<\/p>\n<p>\n<strong>Wie kam es zur Entscheidung, ein Buch \u00fcber Corona und journalistische Bildkommunikation herauszugeben? Mussten Sie aus der Not eine Tugend machen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Koltermann:<\/strong> Wie alle anderen Menschen in Deutschland auch, betraf die Coronapandemie nicht nur meinen privaten, sondern auch meinen beruflichen Alltag. Nicht nur, dass seit M\u00e4rz 2020 \u00fcber drei Semester lang die Lehre fast ausschlie\u00dflich online stattfand, auch die M\u00f6glichkeit zum Forschen \u2013 in meinem Fall zum Thema Bildredaktion \u2013 war durch die Pandemie extrem beeintr\u00e4chtigt. So entstand zum Jahresende 2020 zum einen die Idee, eine Studie \u00fcber das Homeoffice in den Bildredaktionen durchzuf\u00fchren. Zum anderen zeigten Gespr\u00e4che mit meinen Kolleg*innen an der Hochschule Hannover, dass auch andere dar\u00fcber nachdachten, \u00fcber die Pandemie zu schreiben. Damit lag es nahe, das Verh\u00e4ltnis der Coronapandemie und der journalistischen Bildkommunikation zum Thema eines Sammelbandes zu machen.<\/p>\n<p><strong>Kurz zu den Inhalten: Wer sind die Autoren des Sammelbandes? Und was sind ihre Themen?<\/strong><\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13408.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/>Dr. Koltermann:<\/strong> Alle, die Beitr\u00e4ge f\u00fcr den Sammelband geschrieben haben, sind Lehrende und Forschende am Studiengang \u201eFotojournalismus und Dokumentarfotografie\u201c der Hochschule Hannover. Es war ein Ziel des Buches, die unterschiedlichen Kompetenzen in Wissenschaft und Praxis unseres Studiengangs zu b\u00fcndeln, um damit etwas \u00fcber die Coronapandemie zu erz\u00e4hlen. Jede\/jeder schaute dabei jeweils aus ihrem\/seinem Forschungs- oder Arbeitsschwerpunkt heraus auf das Thema. Lars Bauernschmitt etwa schaute sich explizit die medien- und bild\u00f6konomischen Implikationen an, w\u00e4hrend Karen Fromm sich mit Sicht- und Unsichtbarkeitsverh\u00e4ltnissen besch\u00e4ftigte. Michael Hauri, der in Hannover vor kurzem eine Professur f\u00fcr Digital Storytelling angetreten hat, thematisierte hingegen die Rolle von Datenvisualisierung in einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch mit Julius Tr\u00f6ger, Head of Visual Journalism bei Zeit Online. Und Anna Stemmler besch\u00e4ftigte sich mit dokumentarischen Praktiken in der Coronapandemie.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Bleiben wir bei Ihrem Thema, den Bildredaktionen: Gibt es Erkenntnisse, die Sie besonders \u00fcberrascht haben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Koltermann:<\/strong> Was mein eigenes Forschungsthema angeht, so fand ich es extrem erstaunlich, dass das Konzept des Homeoffice bis zum Ausbruch der Pandemie in den Bildredaktionen in Deutschland quasi inexistent war. Die Pandemie hat hier, wie in anderen Bereichen auch, zu einem extremen Digitalisierungsschub gef\u00fchrt und Bedingungen geschaffen, die sich so sicherlich nicht v\u00f6llig zur\u00fcck drehen lassen. Was die Visualisierung der Coronapandemie angeht, so hat mich \u00fcberrascht, wie stark auf Symbolbilder zur\u00fcckgegriffen wurde und dass vor allem beim Blick auf die Pandemie im Ausland an klassische Konzepte der Krisenfotografie angekn\u00fcpft wurde, wie es Karen Fromm sehr sch\u00f6n in ihrem Beitrag herausgearbeitet hat.<\/p>\n<p>\n<strong>Was kann der Fotojournalismus nun aus dem doch oftmals peinlichen Einerlei der Pandemie-Bebilderung positiv lernen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Koltermann:<\/strong> Eine wichtige Erkenntnis der Coronapandemie war das faktentreuer, wahrheitsorientierter Journalismus f\u00fcr eine Demokratie unverzichtbar ist. Dies zeigte sich vor allem in den ersten Monaten der Pandemie in einer verst\u00e4rkten Nachfrage nach klassischen Nachrichtenformaten. F\u00fcr den Fotojournalismus bedeutet dies, weiterhin Angebote f\u00fcr dieses Segment zu erstellen. Auch f\u00fcr ein zweites Ph\u00e4nomen der Coronapandemie, das extreme Erstarken des Wissenschaftsjournalismus gibt es durchaus Potential f\u00fcr den Fotojournalismus. So ist es extrem schade, dass die hervorragend recherchierten Beitr\u00e4ge aus dem Bereich des Wissenschaftsjournalismus oft nur mit Symbolbildern illustriert waren. Meiner Ansicht nach liegt gro\u00dfes Potential darin, einen fotografischen Wissenschaftsjournalismus zu entwickeln. Hier sehe ich etwa das Projekt \u201e[url=&#8217;https:\/\/thereisgloryinprevention.de\/&#8216;]There is glory in Prevention[\/url]\u201c von Patrick Junker als beispielhaft.<\/p>\n<p>\n<strong>Darf ich da nachfragen? Was w\u00e4ren Eckpunkte eines k\u00fcnftigen &#8222;fotografischen Wissenschaftsjournalismus&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Koltermann: <\/strong>Der Wissenschaftsjournalismus hat es sich ja zur Aufgabe gemacht, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung allgemeinverst\u00e4ndlich einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen. Damit verbunden ist f\u00fcr mich die Frage, wo hier die Rolle der Fotografie liegen k\u00f6nnte. Ich sehe in einem fotografischen Wissenschaftsjournalismus den Versuch, mit den Mitteln fotografischen Erz\u00e4hlens hinter die Fassade der wissenschaftlichen Forschung zu blicken. Konkret hei\u00dft dies, dass man gut recherchierte Texte \u00fcber aktuelle Themengebiete der Wissenschaft wie den Klimawandel oder eben die Coronapandemie auch mit aktuellen fotojournalistischen Bildern kombinieren muss. Ich glaube, dass dies eine neue Nische f\u00fcr den Fotojournalismus sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\n<strong>Das w\u00e4re ein Blick in die Zukunft. Zur\u00fcck zur oftmals tristen Gegenwart: Wenn ich die Einfallslosigkeit der Bilder und der Bildsprachen &#8211; bunt gezeichnete Viren, klinische \u00c4rzte mit Kittel und Maske und brav nebeneinander aufgereihte Impf-Spritzen &#8211; res\u00fcmiere, dann ist mir nicht klar: Woran liegt es? An der mangelnden Kreativit\u00e4t der Fotografen &#8211; oder an der Einfallslosigkeit der Bildredaktionen? Gab es keine besseren Bilder &#8211; oder wurden die besseren nicht genommen? Was ist Ihr Eindruck?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. Koltermann: <\/strong>Meiner Ansicht nach kommen da eine ganze Reihe von Faktoren zusammen. Zum einen ist es im Onlinejournalismus leider so, dass jeder Artikel bebildert werden muss. Da hat man sich von den eigenen Redaktionssystemen sowie den Vorgaben der gro\u00dfen Plattformen abh\u00e4ngig gemacht. Zum anderen wird die Bebilderung vor allem von Nachrichten und Meldungen von den einfachen Redakteur*innen \u00fcbernommen. Die haben kaum oder kein Budget f\u00fcr Bilder abseits der Abonnements und extrem wenig Zeit. Oft fehlt auch die Kompetenz f\u00fcr Bildrecherche. Wir m\u00fcssen uns leider klar machen, dass Bildredaktionen im Journalismus vor allem bei den gro\u00dfen \u00fcberregionalen Tageszeitungen und Magazinen existieren. Im Lokaljournalismus sind sie weitestgehend unbekannt.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13409.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/>Dr. Felix Koltermann (Hrsg.): Corona und die journalistische Bildkommunikation. Praktiken und Diskurse des Visuellen, Nomos Verlag 2021, 145 Seiten, 29,00 Euro, ISBN 978-3-8487-7887-4<\/p>\n<p>Mit Beitr\u00e4gen von Prof. Lars Bauernschmitt, Prof. Dr. Karen Fromm, Michael Hauri, Dr. Felix Koltermann, Anna Stemmler sowie Interviews mit Christian Mang und Julius Tr\u00f6ger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13415.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/><br \/>\n<strong>Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Fotografie und Pandemie mit Dr. Felix Koltermann, Herausgeber des Sammelbands \u201eCorona und die journalistische Bildkommunikation&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Dr. Koltermann, in zwei S\u00e4tzen: Worin liegt nun die Bedeutung der Coronapandemie f\u00fcr den Fotojournalismus? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Felix Koltermann:<\/strong> Auf der einen Seite sind gesellschaftliche Krisen seit jeher ein wichtiger Berichterstattungsgegenstand f\u00fcr den Fotojournalismus. Die Besonderheit der Coronapandemie bestand darin, dass &#8230; <a title=\"Corona und der Fotojournalismus  &#8211;  Gab es keine besseren Bilder?\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7297\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Corona und der Fotojournalismus  &#8211;  Gab es keine besseren Bilder?\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9080,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,2],"tags":[],"class_list":["post-7297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-events","category-featured-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7297"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10455,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7297\/revisions\/10455"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pictorial-online.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}