{"id":7197,"date":"2021-05-18T08:55:00","date_gmt":"2021-05-18T08:55:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2026-05-18T19:20:46","modified_gmt":"2026-05-18T19:20:46","slug":"pfiat-di-oliver-hamann-geht-in-den-ruhestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7197","title":{"rendered":"Pfiat di! Oliver Hamann geht in den Ruhestand"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13305.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/><br \/>\nEr z\u00e4hlt schon so lange zur Bilderbranche &#8211; man traf ihn auf Festivals und Messen, Konferenzen und Kongressen &#8211; er ist eine der markanten Pers\u00f6nlichkeiten, ohne die man sich die Branche kaum vorstellen kann. Nun aber verabschiedet sich Oliver Hamann in den Ruhestand.<\/p>\n<p>Seit den fr\u00fchen Achtzigerjahren war Oliver Hamann im Bildgesch\u00e4ft engagiert, in unterschiedlichen Rollen: als Fotograf, als Agentur-Gr\u00fcnder und Inhaber von ASA Fotoagentur (M\u00fcnchen), bei der dpa Picture-Alliance (Frankfurt), Getty Images Deutschland (M\u00fcnchen), SID Sport-Informations-Dienst (K\u00f6ln), der Nachrichtenagentur dapd (Berlin), zuletzt bei der Axel Springer Syndication, zu der das Fotoarchiv von ullstein bild geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Kurzum: Von M\u00fcnchen ausgehend fand er seinen pers\u00f6nlichen Weg in dieser Branche.<\/p>\n<p>Zu seinem Abschied reden wir \u00fcber die Zukunft, \u00fcber alte Zeiten, \u00fcber Literatur, \u00fcber Europ\u00e4er und Amerikaner &#8211; und \u00fcber neue Herausforderungen im Land der Elche\u2026[readmore]<\/p>\n<p>\n<strong><em>Mit Oliver Hamann sprach Stefan Hartmann<\/em><\/strong><br \/>\n<strong> <\/strong><br \/>\n[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Herr Hamann, Sie gehen in den Ruhestand, bedeutet das Mehrarbeit f\u00fcr Kommissar Grillmayr, Franz-Josef? Denn bisher f\u00fchrte er doch ein recht faul-beschauliches Leben mit gerade mal drei F\u00e4llen&#8230;<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Naja, faul-beschaulich &#8230;. das finde ich nicht wirklich. Immerhin musste sich &#8218;mein&#8216; Kommissar in einem v\u00f6llig neuen Umfeld zurechtfinden, als Bayer mit einer s\u00fcdl\u00e4ndischen, g\u00e4nzlich anderen Mentalit\u00e4t auseinandersetzen und sich sozusagen m\u00fchsam zurechtruckeln, auch wenn Fuerteventura vorher sein bevorzugtes Urlaubsdomizil war. Dazu aber sp\u00e4ter noch mehr.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Ja, nur wenige in der Bilderbranche wissen es, aber Sie haben ein &#8222;heimliches&#8220; Leben als Krimi-Autor! Ihr Held, ein bayerischer Verbindungskommissar, ermittelt auf Fuerteventura. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen? Einen M\u00fcnchner auf eine spanische Atlantik-Insel vor Afrika zu verpflanzen?<br \/>\n[\/list]<strong><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13307.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/>Oliver Hamann:<\/strong> Das war &#8211; ich zitiere gerne aus dem St\u00fcck &#8222;Ein M\u00fcnchner im Himmel&#8220; des Bayrischen Autors Ludwig Thoma &#8211; <em>eine g\u00f6ttliche Eingebung<\/em>. Die Bayerische Staatsregierung wartet ja angeblich bis heute noch auf so etwas. Bei mir hat es unmittelbar funktioniert!<\/p>\n<p>Um konkret zu werden: ich laufe, renne, jogge gerne. Bei einem abendlichen Lauf am Strand von Costa Calma auf Fuerteventura herrschte eine seltsame, fast unheimliche Stimmung. Diese wird in meinem ersten Fuerte-Krimi &#8222;Der Wasserkrieg&#8220; auch beschrieben. Rauschende Wellen, tief stehende Sonne, ein wilder Wind, der Staub aus der Sahara \u00fcber das Meer her\u00fcber tr\u00e4gt (Calima nennen sie das auf den Kanaren) und der ein gespenstisches, milchiges Licht verursacht. Und dann steht auf einer Klippe &#8211; etwa 30m \u00fcber dem Strand &#8211; ein Streifenwagen der Policia Local.<\/p>\n<p>Also \u00fcberlegte ich, was da los sein k\u00f6nnte und pl\u00f6tzlich prasselten die Ideen und handelnden Personen f\u00fcr einen Krimi in mein Hirn. Dort herrschte wohl gerade urlaubsbedingte Flaute, der Kopf war frei von Gedanken an Verkaufszahlen, Lizenzrechte, Doppelseiten, etc. So wurde ich also zum &#8218;Mondschein-Autor&#8216;, wie ich es selber nenne. Auf Grund meiner knapp bemessenen Freizeit habe ich meist abends bis in die Nacht hinein geschrieben.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Lassen wir die M\u00f6rder vorerst ziehen, kommen wir zur Picture industry? Sie waren jaIhr Berufsleben lang in der Bilderbranche engagiert. Als Sportfotograf, als Agentur-Mann, zuletzt als Head of Sales und Marketing-Leiter bei ullstein bild, Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung der Axel Springer Syndication. In gewissem Sinne haben Sie so Aufstieg und Fall der europ\u00e4ischen Bilderbranche in Ihrer pers\u00f6nlichen Vita hautnah erlebt. Mit welchen Empfindungen verabschiedet man sich da? Lachend, weinend?<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Eine herausfordernde Frage, lieber Herr Hartmann, und ich komme mir seltsam alt vor, wenn ich sage, &#8222;fr\u00fcher, das waren Zeiten!&#8220; Ich w\u00fcrde aber keinesfalls sagen, dass fr\u00fcher alles besser war: Es war eben nur anders. Schlie\u00dflich hatte ja auch ich einen Anteil an den Entwicklungen, die stattgefunden haben.<\/p>\n<p>Jedenfalls hat sich die Bildbranche seit meinem Einstieg enorm gewandelt und das in einem Tempo, das damals, in den Achtzigern, kaum vorstellbar war. Aber auch da gab es schon die heute viel besprochene &#8218;Disruption&#8216;. Beispielsweise durch Newcomer, die mit anderen Preismodellen den etablierten Sportfoto-Agenturen Marktanteile wegnahmen. Dennoch konnten damals noch alle ziemlich gutes Geld verdienen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Ihr letzter Satz legt nahe, dass dies heute nun nicht mehr der Fall sein k\u00f6nnte\u2026<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Wenn ich die heutigen Honorare betrachte, die man mit Fotoverk\u00e4ufen erzielen kann, wundere ich mich, wie das &#8211; kaufm\u00e4nnisch gesehen &#8211; gut gehen soll. Denn aktuelle Nachrichten- oder Sportfotos zu produzieren, ist nach wie vor aufw\u00e4ndig und teuer. Ja, die Vertriebskan\u00e4le sind durch die Digitalisierung anders, einfacher und schneller geworden. Aber das Business an sich ist deswegen nicht unbedingt g\u00fcnstiger zu betreiben als fr\u00fcher. Heute muss man das Geld, das man noch in den 90igern f\u00fcr Filme, Fotopapier, Chemikalien und Postporto ausgab, eben in IT-Technik investieren. Und das sind meist hohe Betr\u00e4ge, denkt man z.B. nur an eine Bilddatenbank.<\/p>\n<p>Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Ich konnte &#8211; auf meine Art &#8211; viel bewegen, viel erreichen, daf\u00fcr bin ich dankbar. Aber ehrlich, hochpreisiges Verkaufen, das ist genau mein Ding. Ich habe unter anderem exklusive Home-Stories f\u00fcr hohe f\u00fcnfstellige Betr\u00e4ge &#8211; D-Mark wie Euro &#8211; an Illustrierte und andere Medien verkauft, da macht es kaum Freude, sich mit Verk\u00e4ufen im einstelligen Euro- oder gar Cent-Bereich zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Um Ihre vorhergehende Frage zu beantworten: Es war damals analog, aufregend, spannend, bewegend &#8211; und bis auf das Wort <em>analog<\/em> ist es das auch heute noch. Ich schaue mit Stolz und Freude auf meine Karriere zur\u00fcck und habe nun das Gl\u00fcck, mit Freude nach vorne zu schauen, mich endlich ausgiebig meiner Familie und auch meinen Hobbies widmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Haben Sie das Gef\u00fchl, dass Sie mit der Bilderbranche eine professionell agierende Branche verlassen, die ihr Produkt effizient und erfolgreich vermarktet? Ich frage jetzt erstmal ausschlie\u00dflich aus einer europ\u00e4ischen Sicht heraus.<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Wenn wir von Deutschland reden, ein klares Nein, leider. Geht es um Europa, sieht es meiner Meinung nach nur wenig besser aus.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Sie waren ja nicht nur bei europ\u00e4ischen Agenturen engagiert, wie dpa picture alliance oder SID Sport-Informations-Dienst (einer AFP-Tochter), sondern auch bei Getty Images, dort als Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung Deutschland. Sie haben also auch die Amerikaner erlebt. Die Frage treibt mich immer noch um: Was haben die US-Big Player anders gemacht? Was sind die Gr\u00fcnde, warum die deutschen \u2013 oder auch europ\u00e4ischen \u2013 Agenturen der Dominanz der amerikanischen Global Player so wenig entgegen gesetzt haben? Der Bildmarkt in den USA ist &#8211; cum grano salis &#8211; in etwa so gro\u00df wie der europ\u00e4ische. Mit dem Blick zur\u00fcck: Ab welchem Zeitpunkt begannen die Europ\u00e4er etwas falsch zu machen, so dass sie nun nicht mehr mithalten k\u00f6nnen?<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Ich habe in vielen Verlagsh\u00e4usern mit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern, Chefredakteuren, Fotochefs und Eink\u00e4ufern Vertr\u00e4ge verhandelt. Dabei habe ich auch sehr tiefe Einblicke bekommen \u00fcber Sorgen, Ideen, Gedanken und Pl\u00e4ne, die die F\u00fchrungskr\u00e4fte in den H\u00e4usern von Flensburg bis Leutkirch umgetrieben haben. Ich glaube, dass wie im Verlagsgesch\u00e4ft, auch in der Bildagentur-Branche sehr lange, manchmal zu lange, in den altbew\u00e4hrten Mustern verharrt wurde.<\/p>\n<p>Anstatt sich rechtzeitig \u00fcber neue, digitale Gesch\u00e4ftsmodelle wirklich Gedanken zu machen, den Mut zu haben auszusprechen, dass man tiefgreifende Ver\u00e4nderungen wird vornehmen m\u00fcssen, und das dann auch mit entsprechenden Investitionen anzufeuern, wurde viel dar\u00fcber nachgedacht, wie man die bestehenden Gesch\u00e4ftsmodelle bis zum \u00c4u\u00dfersten ausquetschen kann, um schwarze Zahlen zu schreiben.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Ja, viele Agenturen waren lange findig und kreativ, immer neue Zusatzkosten f\u00fcr ihre Kunden zu ersinnen: Bereitstellungskosten, Blockiergeb\u00fchren etc. Die K\u00e4ufer mussten es akzeptieren. Genau wie die Fotografen, die \u00fcber Katalog-Kosten am Vertrieb beteiligt wurden.<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Der Bildermarkt in Europa hat ja so lange gut funktioniert, bis jemand aus den USA die Zeit reif fand, etwas anders zu machen. Meiner Meinung nach haben wir es schlichtweg vers\u00e4umt, unsere Branche mit Entschlossenheit weiterzuentwickeln, neue Ideen zuzulassen, etwas zu wagen und auch Misserfolge in Kauf nehmen zu wollen.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt der &#8218;Wende&#8216; war f\u00fcr meine Begriffe die Gr\u00fcndung von Corbis durch Bill Gates sowie die Gr\u00fcndung von Getty Images durch Jonathan Klein und Mark Getty, beides Mitte der Neunziger Jahre. Analog gesehen waren die USA damals noch &#8218;weit weg&#8216; vom deutschen Bildermarkt. Aber digital gesehen war das Tor zu Europa schon mit Wucht aufgesto\u00dfen worden. Die rasant an Fahrt aufnehmende Digitalisierung, das Internet, die globale Verf\u00fcgbarkeit &#8211; gesuchte Fotos standen in Sekundenschnelle zur Verf\u00fcgung &#8211; und die finanzielle Power der Amerikaner, ihre dynamische Vorgehensweise und ihre Entschlossenheit, das alles haben wir &#8211; wie ich meine &#8211; in Deutschland nicht ernst genug genommen. Zu sp\u00e4t haben wir erkannt, dass sich Markterfordernisse, Kundenbed\u00fcrfnisse, enorm schnell ver\u00e4ndern k\u00f6nnen und das auch tun.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht haben uns in Deutschland Bedenkentr\u00e4gerei, gepaart mit etwas \u00dcberheblichkeit und vielen Eitelkeiten, massiv Zeit gekostet. W\u00e4hrend in den USA das Motto herrschte &#8218;fail fast, fail often&#8216; und man einfach losgelegt, sich auch \u00fcber Konventionen hinweggesetzt hat, wollten wir allen Dingen erst einmal auf den Grund gehen &#8211; und haben Zeit verloren.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Neben dem Zeit vertr\u00f6deln gab es allerdings bei sehr vielen europ\u00e4ischen Agenturen oftmals auch ein &#8222;Investitionsproblem&#8220;. Die Digitalisierung wurde auch deshalb verschlafen und ignoriert, weil man nicht das Kapital f\u00fcr die Umstellung hatte\u2026<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Ja, Bildagenturen waren in Deutschland meist Kleinbetriebe, der Markt war &#8218;aufgeteilt&#8216; wie es so sch\u00f6n hie\u00df. &#8218;Zersplittert&#8216; k\u00f6nnte man auch sagen. Die Amerikaner haben das erkannt. Es kamen pl\u00f6tzlich Personen ins Spiel, die Fotografie ganz unemotional betrachtet haben. Bill Gates war (sozusagen) IT-Mann, Jonathan Klein und Mark Getty waren fr\u00fcher Investmentbanker. Sie haben &#8218;Getty Investments&#8216; gegr\u00fcndet, was ja schon alles sagt, und das war die Basis f\u00fcr Getty Images. Investitionsbereitschaft von Geldgebern und somit finanzielle Schlagkraft, hohe Technisierung und hohes Tempo, ein gro\u00dfes Portfolio mit Top-Qualit\u00e4t, anspruchsvolle Dienstleistungen wie beispielsweise die Kl\u00e4rung von Pers\u00f6nlichkeitsrechten, das alles hat man in Europa und Deutschland mit einem L\u00e4cheln abgetan.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Deutschland Bildagenturen oft von Fotografen, Bildredakteuren oder Historikern gegr\u00fcndet worden waren, haben sich in den USA Finanz- und IT-Experten zusammengetan und den Markt \u00fcberrollt.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Darf ich nochmal zur\u00fcck zur Fotografie selbst? Zur modernen Sportfotografie? Gef\u00e4llt sie Ihnen? Denn seit Ihren aktiven Zeiten als Sportfotograf &#8211; etwa bei Werek oder ASA Fotoagentur &#8211; hat sich doch enorm viel gewandelt gerade auf diesem Segment&#8230;<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Gefallen w\u00fcrde ich nicht sagen. Aber ich finde es durchaus interessant und spannend, was bei den Sportfotografen heute am Spielfeldrand, in den Sport-Arenen, abgeht. Ich musste die Sch\u00e4rfe an meinem Nikon 300mm f2.8 mit der Hand f\u00fchren, Belichtungszeit und Blende manuell einstellen und oft genug bei Flutlichtspielen im Gr\u00fcnwalder Stadion in M\u00fcnchen oder auf dem Bieberer Berg in Offenbach den Film auf 3200 oder 6400 ASA pushen um \u00fcberhaupt mit einem 250igstel fotografieren zu k\u00f6nnen. In der Dunkelkammer haben wir derma\u00dfen &#8218;gepushte&#8216; Filme oft &#8218;auf Sicht&#8216; entwickelt. Mit einer fast ganz abgeklebten Rotlichtlampe haben wir w\u00e4hrend der Entwicklung die Schw\u00e4rzung der Negative kontrolliert. Und mancher Film hing eine halbe Stunde und l\u00e4nger im Entwickler bis das Negativ brauchbar war. \u00dcber der K\u00f6rnung brauchen wir dann nicht mehr zu sprechen. Das waren Fotos, die eher lediglich einer Dokumentation des Ereignisses dienten, als dass es tolle Sportfotos waren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13306.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/><br \/>\nDer Vergleich zur heutigen Zeit ist, als w\u00fcrde das Malen eines \u00d6lbildes im 18. Jahrhundert mit der Arbeit an einem Computer-Tablet verglichen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Starke Metapher!<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Ich erinnere mich, als begonnen wurde, vom Spielfeldrand aus Bilder digital zu verschicken. Remote-Editing war das Zauberwort bei den gro\u00dfen Nachrichtenagenturen. Die Geschwindigkeit der Bild\u00fcbermittlung glich schon nahezu dem Fernsehen. Als ich f\u00fcr den SID arbeitete, hat man sich 2010 bei der Muttergesellschaft AFP in Paris damit gebr\u00fcstet, bei der Fu\u00dfball-WM nur 190 Sekunden nach Ansto\u00df des Er\u00f6ffnungsspiels das erste Bild eines Zweikampfes an die Redaktionen geschickt zu haben.<\/p>\n<p>Schade finde ich, dass nicht viele Sport-Fotografen bei aller Technik und allen Automatiken ihre Bilder kritisch \u00fcberpr\u00fcfen und wirklich die zwei oder drei Besten aus einer Serie ausw\u00e4hlen. Das Wort &#8218;Daumenkino&#8216; kam mit der Digitalfotografie auf und ist bei Bildredakteuren verp\u00f6nt. Dennoch gibt es Sportfotografen, die endlose scheinende Bild-Serien von Situation schicken und denken, dass sich dann schon jemand die M\u00fche machen wird, das Beste auszusuchen.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Sie scheiden zum 1. Juni 2021 ja bei ullstein bild aus. Hat das Konsequenzen f\u00fcr Ihr Team? Wird es zu Umstrukturierungen kommen?<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Das Team hat viele Herausforderungen angenommen, sich enorm entwickelt und ist hervorragend aufgestellt. Es wird Eigenverantwortung \u00fcbernommen und ein unglaubliches Fachwissen ist vorhanden &#8211; was bei einer historisch gepr\u00e4gten Fotoagentur wie ullstein bild von unsch\u00e4tzbarem Wert ist. Aktuell wird ein Teil meiner Aufgaben vom Leitungs-Team der Axel Springer Syndication \u00fcbernommen. Ich denke, alles ist bestens bestellt. Und um eine m\u00f6gliche Nachfolgebesetzung k\u00fcmmert sich die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Wie geht es weiter mit Ihnen pers\u00f6nlich und Ihrer Familie? Ich wage mal die Prognose: In Berlin werden Sie nicht bleiben. Also: Norden oder S\u00fcden, wo werden wir Sie k\u00fcnftig finden?<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Ich bem\u00fche mal den Fu\u00dfballer-Jargon: &#8218;Ob Stockholm oder M\u00fcnchen, Hauptsache: Schweden&#8216;. Da komme ich auf Ihre erste Frage zur\u00fcck: In einem neuen Umfeld zurechtfinden, als Bayer mit einer nordischen, g\u00e4nzlich anderen Mentalit\u00e4t auseinandersetzen und sich sozusagen zurechtruckeln; obwohl meine Frau Schwedin ist und wir dort oft Urlaub gemacht haben ist das meine n\u00e4chste Herausforderung.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Gibt es eine kurze Botschaft, die Sie der Bilderbranche zum Abschied zurufen wollen?<br \/>\n[\/list]<strong>Oliver Hamann:<\/strong> Wenn Sie Platz f\u00fcr 10.000 Zeichen haben &#8230; nein, Spa\u00df beiseite.<\/p>\n<p>\u00dcber unsere Branche hat einmal ein australischer Fotograf in breitestem Dialekt zu mir gesagt: It&#8217;s simple, you have to strangle the chicken! Auf Deutsch w\u00fcrde ich sagen: Mut haben, dran bleiben und auch das scheinbar Unm\u00f6gliche denken.<\/p>\n<p>[list][*]<strong>Pictorial: <\/strong>Lieber Herr Hamann, da bleibt mir nur \u00fcbrig, Ihnen Gl\u00fcck zu w\u00fcnschen und auf gut Bayrisch zum Abschied zu zurufen: &#8222;Pfiat di!&#8220;<br \/>\n[\/list]<\/p>\n<p>Bilder:<br \/>\nDavis Cup Finale 1988 &#8211; G\u00f6teborg, Oliver Hamann\/WEREK<br \/>\nPortrait Oliver Hamann, Alexander Hassenstein \/ Getty Images<br \/>\nEuropapokal der Pokalsieger 1985 &#8211; Viertelfinale &#8211; Hinspiel 1985, Oliver Hamann\/WEREK<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pictorial-online.com\/wp-content\/uploads\/woltlab_images\/woltlab_13305.jpg\" alt=\"Blog-Foto\" \/><br \/>\nEr z\u00e4hlt schon so lange zur Bilderbranche &#8211; man traf ihn auf Festivals und Messen, Konferenzen und Kongressen &#8211; er ist eine der markanten Pers\u00f6nlichkeiten, ohne die man sich die Branche kaum vorstellen kann. Nun aber verabschiedet sich Oliver Hamann in den Ruhestand.<\/p>\n<p>Seit den fr\u00fchen Achtzigerjahren war Oliver Hamann im Bildgesch\u00e4ft engagiert, in unterschiedlichen Rollen: als Fotograf, &#8230; <a title=\"Pfiat di! Oliver Hamann geht in den Ruhestand\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/pictorial-online.com\/?p=7197\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Pfiat di! 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